Ludwigsburg plant die Wiedervereinigung

Ludwigsburg Die Bundesstraße 27 teilt die Barockstadt in zwei Hälften. Ab 2026 könnte die Landesgartenschau den lang ersehnten Tunnel bringen.

Ludwigsburg ist eine schöne Stadt, eine grüne dazu. Wer mit dem Auto durchfährt, bekommt davon nichts mit. Die Bundesstraße 27, über die täglich bis zu 70.000 Fahrzeuge donnern, reißt die Barockstadt entzwei. Die Chance, die alte Wunde zu heilen, waren vielleicht nie so gut wie jetzt. Eine Landesgartenschau soll helfen.

„Das ist eine offene Wunde“, sagt Michael Ilk, „eine Zäsur wie früher die Burggräben.“ Ludwigsburgs Baubürgermeister ist ein Werber für die Reize seiner Stadt, die viele vor allem durch das Blühende Barock und den Weihnachtsmarkt kennen. Was Ilk als „Zäsur“ bezeichnet, kennen vor allem die Pendler. Die B27 ist eine Hauptroute zwischen Stuttgart und dem Raum Heilbronn. Auf bis zu sechs Spuren rauscht der Verkehr am Residenzschloss vorbei, der Lärm ist enorm. Wenn die nahe Autobahn mal wieder dicht ist, geht hier nichts mehr voran. Wer nicht muss, versucht gar nicht erst, die Schneise zu Fuß zu überqueren.

Bewerbung für die Landesgartenschau

„Man denkt den anderen Teil der Stadt gar nicht mit“, beschreibt Ulrike Schmidtgen, Leiterin des Fachbereichs Tiefbau, das Dilemma. Als Residenz des Herzogs entwarfen die Bauherren Ludwigsburg am Reißbrett. Sie teilten mit den Verkehrsplanern der Nachkriegszeit eine Vorliebe: jene für breite Verkehrsachsen − damals Prachtallee, heute Ludwigsburgs Fluch. Doch damit soll es vorbei sein, wenn es nach den Verantwortlichen im Rathaus geht. Sie sprechen nicht im Konjunktiv, wenn von der Landesgartenschau-Bewerbung für 2026, 2028 oder 2030 die Rede ist. Die Botschaft ist klar: Wir sind dran, wir haben ein Projekt.

Für Bürgermeister Ilk ist eine Landesgartenschau „Stadtentwicklung im Zeitraffer“. Projektleiter Jürgen Straß skizziert die Grundzüge der geplanten „Stadtgartenschau“. Grünflächen rundherum sollen vernetzt werden und eine Verbindung ins Zentrum schaffen. „Das wäre der größte Schritt nach vorne.“

Schlüsselprojekt Tunnel

Viele versiegelte Flächen würden begrünt werden. Parkplätze zu Parks lautet ein Motto, mindestens eine neue Tiefgarage müsste her. Das Konzept ruht aber auf vielen Säulen. Moderne Mobilität gehört dazu − mit Parkhäusern an der Peripherie und Shuttles oder Pedelec-Leihstationen, um die Menschen ins Zentrum zu bringen. Alte Industriebauten in der Weststadt, wo sich vermehrt junge Startups ansiedeln, erhalten eine Fassadenbegrünung.

Schlüsselprojekt aller Pläne bleibt aber der Tunnel, der die B27 auf einer Länge von bis zu 800 Metern unter die Erde verbannen und einem Boulevard Platz machen soll. Von der Veranstaltungshalle Forum am Schlosspark bis fast zum scharfen Knick, wo die Bundesstraße Richtung Heilbronn abbiegt, sollen Fußgänger flanieren und Radler sicher vorankommen. Es wäre in gewisser Weise die Wiedervereinigung einer geteilten Stadt, wenn es gelänge, den Graben zu überwinden.

Ludwigsburg plant die Wiedervereinigung

Tunnelträume gibt es in Ludwigburg schon lange. Komplizierte Lösungen mit Kurven und unterirdischen Ausfahrten wären astronomisch teuer. Jetzt beschränkt man sich auf etwas relativ Einfaches. Der Tunnel wäre bolzengerade − und trotzdem noch enorm teuer. Bürgermeister Michael Ilk hält sich hier zurück, er spricht vom „Fluch der ersten Zahl“. So viel dann doch: „Ein Kilometer Tunnel kostet gemeinhin 100 Millionen Euro.“ Das ist natürlich viel mehr als das gängige Investitionsbudget einer Landesgartenschau.

Bis zu 60 Prozent Förderung

Der Etat für die Daueranlagen liegt bei rund 23 Millionen Euro. Die Großveranstaltung soll der Türöffner sein und den Weg zu Fördertöpfen ebnen. Bis zu 60 Prozent Förderung wären wohl möglich. Bislang scheitert eine Unterstützung aus Bundesmitteln vor allem daran, dass der Tunnel Ludwigsburg zwar schöner machen würde, nicht aber den Verkehrsfluss verbessert.

Die Bewerbung geht in die entscheidende Phase. Demnächst wird die Bewertungskommission in der Barockstadt erwartet. Noch vor der Sommerpause beschließt der Ministerrat, wer die Landesgartenschauen zwischen 2026 und 2030 ausrichtet. Die Konkurrenz ist groß. Es gibt acht Bewerber für die drei Veranstaltungen, darunter Bad Mergentheim, Vaihingen an der Enz, Rottenburg oder Ulm. In Ludwigsburg gibt man sich selbstbewusst, verweist auf das „hoch motivierte Team“.

Was wird aus dem Tunnel, wenn es nicht klappt mit der Schau? „Das wird dann deutlich schwieriger“, sagt Bürgermeister Ilk. Der bestehende Deckel über einem Teil der Straße wird bald ein Sanierungsfall. Es wäre die Höchststrafe für Ludwigsburg, mit viel Geld an der Straße herumdoktern zu müssen, die so keiner mehr haben will.

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