Schwertransport nach Schelklingen

Vier Schwertransportern bringen riesige Stahlröhren zuerst nach Feldstetten, dann weiter ins Schelklinger Zementwerk. Kein einfaches Unterfangen.
Es ist Dienstag, 5.10 Uhr. Kurz nach der Ortsausfahrt von Feldstetten halten Polizisten den Verkehr an. Auch die Strecke von Römerstein her ist dicht. Der Grund: Auf der Bundesstraße 28 sind Schwertransporter unterwegs.

Die Autofahrer steigen aus und sehen vier große Teile auf sich zukommen – sie ähneln ein wenig einer Rakete. Tatsächlich sind es aber Teile eines 142 Meter hohen Kamins der Heidelberg Cement AG in Schelkingen. Das Unternehmen baut derzeit einen neuen Wärmetauschofen zur Zementherstellung für mehr als 100 Millionen Euro.

Die Stahlröhren wurden in Dänemark hergestellt und mit dem Schiff nach Plochingen im Landkreis Esslingen verfrachtet. Die ersten vier Teile brachten Schwertransporter in der vergangenen Woche in zwei Etappen vom Neckarhafen auf die Alb. Die restlichen vier machten sich am Montag um 22.35 Uhr auf die Reise.

Entlang der 55 Kilometer langen Strecke zwischen dem Neckarhafen und Feldstetten stehen seit Tagen Hunderte „Parken verboten“-Schilder entlang der Route. Noch bis zum 15. April dürfen dort wegen der Schwertransporte täglich zwischen 22 und 6 Uhr keine Autos abgestellt werden. Das juckt anscheinend einige Verkehrsteilnehmer wenig: Als der Konvoi unterwegs ist, müssen die Lastwagen immer wieder anhalten, da Autos auf der Straße stehen. Jetzt ist das ganze Können der Fahrer gefragt. Sie schaffen es tatsächlich, im Schneckentempo an den Falschparkern vorbeizukommen. In dieser Nacht muss kein Auto abgeschleppt werden. Die Verkehrssünder können sich aber auf eine kostenpflichtige Verwarnung gefasst machen.

Der Konvoi befördert auf seiner rund siebenstündigen Fahrt knapp 100 Tonnen. Damit alles klappt, begleiten ihn sieben Polizeibeamte: fünf auf Motorrädern und zwei im Streifenwagen. Sie fahren die Strecken ab, halten Verkehrsteilnehmer an und sperren zeitweise die Straßen, auf denen der überbreite Konvoi unterwegs ist. Außerdem eskortieren drei Begleitfahrzeuge, ein Steigerwagen, ein Kleintransporter und ein Lastkraftwagen die Schwertransporter. Zählt man alle Fahrer zusammen, sind es zwölf Mann. Plus ein Projektbetreuer von der Firma Bohnet, die alles organisiert hat.

Immer wieder bauen die Männer an Kreuzungen und Kurven Verkehrsschilder ab, drehen Ampelarme zur Seite oder legen Stahlplatten aus, um Schäden zu vermeiden. Letzteres war etwa in Nürtingen und Böhringen nötig – dort mussten Verkehrsinseln überfahren werden. Sobald die tonnenschweren Vehikel außer Sichtweite sind, wird alles wieder in den Urzustand versetzt.

Keine alltägliche Fahrt

„Es hat einige kritische Stellen gegeben, aber alles ist reibungslos verlaufen“, sagt Polizeihauptkommissar Stephan Rall zufrieden, als der Konvoi gegen 5.40 Uhr wohlbehalten vor den Toren Feldstettens auf einem großen Parkplatz am ehemaligen Truppenübungsplatz ankommt. Für Rall, der schon einige Schwertransporte auf dem Motorrad begleitet hat, war diese Fahrt etwas Besonderes. Vier Schwertransporter auf einmal sind nur sehr selten unterwegs. Deshalb wurde die Begleitmannschaft des Polizeipräsidiums Reutlingen von vier auf sieben Beamte aufgestockt.

Auch für Schwertransport-Lenker Max Siegrist war die Fahrt mit 29 Tonnen Gewicht „nicht alltäglich“. Zufrieden legt er sich nun in sein Bett im Fahrerhaus. Das gleiche machen seine drei Kollegen und die Mitarbeiter der Begleitfahrzeuge. Auch die Polizisten haben Feierabend und fahren zurück in den Kreis Reutlingen.

Am Abend, kurz nach 22 Uhr, macht sich der Konvoi dann wieder auf den Weg – weiter in Richtung Schelklingen. Dieses Mal begleiten ihn sechs Beamte der Polizeireviere Ulm-West und Ehingen auf dem zweiten Abschnitt über Ennabeuren, Ingstetten und Justingen ins rund 20 Kilometer entfernte Zementwerk. Dort werden die Schwertransporte, wenn nichts dazwischen kommt, am heutigen Mittwoch eintreffen.

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